Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Inschriften, Gedenktafeln und Graffitis in Höhlen


Gedenktafel in der Grotte Pathétique, Vercors, F / Namen an einer Wand in einer Höhle in der Yumurischlucht bei Matanzas, Kuba


Die eigene Anwesenheit an einem besonderen Ort durch ein Zeichen oder eine Namenswiedergabe festzuhalten, das scheint ein weltverbreitetes Phänomen zu sein - und das über Jahrtausende.

Wer ganz aktuell diese Tatsache einmal berührendst erleben will, der sollte nach Verona in Italien reisen. Dort kann man den sog. "Liebesbalkon" in einem Hinterhof der Altstadt selber mal ansehen. Diese Stätte ist inzwischen zu einer richtigen Pilgerstätte geworden, wo viele viele Verliebte und Neugierige inzwischen wandern. Wo gibt es schon sonst auf der Welt eine Art öffentlichen Ausdrucksort für die Liebe? Tausende und abertausenden von Menschen haben ihn inzwischen dazu gemacht - ganz ohne öffentlichen und kirchlichen Segen. Oder täusche ich mich? Keine Marienstatue steht da, sondern eine Metallstatue der Julia, die ständig von allen möglichen Worten angetappt wird, besonders, wenn es um ein Foto geht. Dann greift man auch ungeniert der weiblichen Statue an die Brust. Und, obwohl es offiziell verboten ist, angekündigt durch Tafeln an der Wand, ist das Beschreiben der Wände verboten. Niemand hält sich dran, bis hinauf in die höchsten Höhen des Eingangstunnels und sogar auf den Telefonapparaten wimmelt es vor Inschriften und Herzsymbolen.

   

Man kann so etwas als Sachbeschädigung sehen, als Entweihung eines würdigen Ortes - aber halt auch anders, als Ausdruck äußerster Hingabe, Beschwörung von vielleicht vorhandenen Kräften, die sich vielleicht durch eine solche Gefühlsäußerung in aller Öffentlichkeit für sich gewinnen lassen.

An manchen Orten in Höhlen finden sich auch gelegentlich Wände, die übersät sind mit Inschriften und Zeichen. Heute gilt es nicht mehr als chic, seinen Namen an einer Höhlenwand zurückzulassen, getreu dem Motto: "Leave nothing but footprints, take nothing but pictures", aber das war nicht immer so - und wer weiß, ob es bei der heutigen Einstellung bleiben wird.

Manche Inschriften sind inzwischen Ikonen, die selber schon höchst schützenswert sind, sei es wegen ihres hohen Alters, sei es, weil die Person, der man die Signatur zuschreibt, weil sie sie als Urheber vermutet wird, schon eine Art "Heiligenschein" erworben hat, Eduard Martel zum Beispiel in Frankreich oder Hermann Gruber im Salzburgischen. Oder weil dort ein Inhalt festgehalten ist, der von Belang ist wie "Pour prier Dieu à cause de la révolte" ("Ich flehe dich an, Gott, wegen der Revolution!") oder gar der Text eines ganzen Gedichts.

Bislang wurde diesen Erscheinungsformen an den Höhlenwänden nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Eine systematische Erfassung ist überhaupt noch nicht erfolgt. Ab und zu hört man, daß bei Reinigungsaktionen der Höhlenwände die Inschriften und Graffitis wieder entfernt werden, wobei man dabei auch schon weit über das Ziel hinausgeschossen ist. So hat man bei einer solchen Aktion in der grotte de Mayrières bei Bruniquel, Tarn-et-Garonne, Frankreich, gleich die prähistorischen Zeichnungen mit gelöscht.

Es tut sich hier ein großes künftiges Forschungsgebiet auf, besonders wenn einen die komplexen Beziehungen von Menschen und Höhlen interessieren. Wir könnten das gut auf dem nächsten HÖREPSY-Treffen besprechen!



Erste Stoffsammlung:

Im Lamprechtsofen, Salzburg, A
am Ende des Schauhöhlenteils

Inschriften aus dem Jahre 1883 und ein schwarzes Kreuz

 

Felszeichnung im Eingangsbereich
des Lamprechtsofens

Die MARTEL-Inschrift in einer Höhle an der Archèche, F

War es der berühmte Martel oder ein namensgleicher Anderer?

Das Gedicht an der Höhlenwand der Postojna jama in Slowenien

Inschriften auf einem Tropfstein in der Bellamar-Höhle, Provinz Matanzas, Kuba

Die Hauptinschrift besagt, daß man die Tropfsteine nicht beschriften dürfe!

LENA und ELLEN
Namensgraffiti in der Bärenhöhle bei Oberammergau, Bayerische Alpen, D
Mai 2012

Inschriften im Geisloch D 16, Fränkische Alb
Schillerhöhle, Schwäbische Alb, D

Schillerhöhle, Schwäbische Alb, D

"Typisch"? Deutschland - Nein, aber existierend

Namensinschrift im Heidentempel
im Zigeunerkogel, Steiermark, A
Namensinitialen im Eingang der Furgglenhöhle, Alpsteingebiet, CH

Witzenhöhle, Fränkische Schweiz, D

Alte Inschriften, "Czoerinig" z.B. am Siphon im Scheukofen, Hagengebirge, Land Salzburg, A

In der Seewaldseehöhle im Trattberggebiet, Osterhorngruppe, Land Salzburg, A

"1921 V.f.H.K."

steht wohl für "Verein für Höhlenkunde"

Prax-Eishöhle, Loferer Steinberge, Land Salzburg, A
Bennohöhle, Sächsische Schweiz, D
Kuhstall, Sächsische Schweiz, D

In der Grotte de la Deveze, Hérault, F

Höhle auf Antiparos, Kykladen, Griechenland

- eine der wichtigsten Höhlen der Erde in Bezug auf das Thema
"Inschriften"! Schon gegen Alexander den Großen rebellierende Generäle sollen sich dort eingraviert haben!

Grotte de Deschamps, Doubs, F

Grotte d'Osselle, Doubs, F

Slouperhöhle, Mährischer Karst

In der Wendelsteinhöhle, Bayerische Alpen

Krug Mag 1921

Inschriftenhöhle, Pfälzer Wald

Kolowrathhöhle, Untersberg, Salzburg, A

Scheukofen, Salzburg, A

Ein bekannter Name an der Wand: CZOERNIG

Nixloch bei Hallthurm, Untersberg, Berchtesgadener Land

Alte Inschriften im Angerloch beim Walchensee
Alte Inschriften aus der Sontheimer Höhle

1538 steht da an der Wand

Kappschacht, Fränkische Schweiz

8/3.18. - gemeint ist 1818

Wolfgangshöhle am Wolfgangssee, Land Salzburg

Angerloch beim Walchensee / Bayern

Ende der 60er Jahre angebrachte "Protestinschrift"

Kreuzzeichnung in der Atakhöhle, Pinarbasi,
Nordtürkei
Sternzeichnung in der Atakhöhle

Kreuzritzungen in der Ilgarinihöhle, Nordtürkei

Bielshöhle, Rübeland, Harz

Steinkirche bei Scharzfeld, Harz

"MAGIC SHOP 2014"

Im unteren Eingang der Lindwurmhöhle im Hagengebirge

Vermutlich stammen die Intialen und Datumsangaben von Wallfahrern, die über das Steinerne Meer und das Hagengebirge gekommen sind

Schon beinahe eine Ikone: Der Namenszug von Czoernig aus dem Jahre 1920 in einer Höhle - beinahe 100 Jahre alt

Gedenktafeln

Gedenktafel an Franz Rathschüler in der Frauenmauerhöhle, Steiermark, A

 

 

Gedenktafel in der Lurgrotte, Steiermark, A

an den Tod von Poldi Fuhrich erinnernd

Gedenktafel in der Götzingerhöhle, Sächsische Schweiz, D

Gedenktafel an den Abbé Joseph, Giry

in der Grotte de la Deveze, Hérault, F

Die Gedenktafel in der Grotte de la Luire,

die an die Zerstörung des Partisanenkrankenhauses

durch die Deutschen (par les allemande) und die

Ermordung der Mitglieder der Restistance im Juli

1944 erinnert

Gedenktafel in der Grotte Pathétique, Vercors, F
an den Kampf um den Pas de l'Aiguille vom 22. - 24. Juli 1944 erinnernd

Slouperhöhle, Mährischer Karst

Gedenktafel an einen Arbeiter, der dort bei einem Dynamitunglück ums Leben gekommen ist

Holstejna Jeskyne, Mährischer Karst

Gedenktafel an die vielen erinnerungswürdigen Ereignisse, z.B. daß sie 1278 erstmals urkundlich nachgewiesen werden kann

Kessel, Oberösterreich

Gedenktafel an zwei verunglückte Taucher

Gustav-Adolf-Höhle, Mittelfranken

Kleine Steinkammer bei Erdbach-Breitscheid,
Hessen, D

In der Rio Martino-Höhle, Piemont, I

"Mauthausen 1944"

Maurepos, Doubs, F
Gedenktafel an die Entdecker des Neuen Teils in der Zoolithenhöhle/Fränkische Schweiz
Gedenktafel am Eingang in die Gutenberger Höhle, Schwäbische Alb

 

Literatur:

Bigot, Jean-Yves Signatures et graffitis anciens des cavités naturelles, Spelunca 124-2011, p 44-46
Gratté, Lucien Survivance de L'ART PARIENTAL, 1985

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